12 Albtraum Moped – ein weiterer Versuch, oder gar das glückliche Ende?

Seit meiner Rückkehr nach Ulan-Ude letzten Donnerstag ist nicht viel passiert, außer dass ich über Sergei, der sich übrigens als Deniz‘ Vater herausstellte, am Freitag das Drosselklappenpotentiometer bestellt habe. Wir haben uns dann für Samstag verabredet, um nochmal die gesamte Tankanlage auseinander zu nehmen. Denn seit der letzten Demontage spricht die Tankanzeige eine andere Sprache, bzw. sie zeigt einen zu hohen Benzinstand an. Gleichzeitig wollen wir die Benzinpumpe tauschen – da passen einige verfügbaren Pumpen aus japanische Autos – denn Deniz ist nach wie vor der Meinung, sie sei das Corpus Delicti. Meine Logik sagt: Das kann nicht sein. Doch will ich keine Möglichkeit unversucht lassen, und in verschiedenen Foren ist immer wieder die Rede von der Benzinpumpe bei F800GS Modellen bis Baujahr 2010 – meine hat als Produktionsdatum 11/2010!

Am Samstag kommt aber leider kein Anruf von Deniz und am Montag und Dienstag ist hier Feiertag – somit folgen 4 Tage Abwarten. Die Fahrt nach Irkutsk hoffe ich vermeiden zu können, und werde sie nur dann antreten, wenn alle Versuche mit Benzinpumpe und Poti nichts bringen. Aber das kann und will ich mir gar nicht vorstellen!

So verbringe ich die Tage im Camp mit Lesen, Schreiben und netten Gesprächen mit Karin und Coen, die zwei wirklich interessante Menschen sind. Nach 15 Jahren „On the Road“ haben sie so ziemlich alles erlebt, was man als Reisender so erleben kann. Ihr 35 Jahre alter Landcruiser ist in dieser Zeit schon mehrmals komplett zerlegt und wieder zusammengeschweißt worden. Da dauerte eine Zwangspause auch schon mal fast ein halbes Jahr!

Am Montagvormittag verlassen die beiden leider das Camp und passend zu dieser Stimmung kübelt es den ganzen Tag wie aus Eimern. Noch nie zuvor auf dieser Reise habe ich solche Regenmengen erlebt. Mit dem Tarp habe ich mir wenigstens eine trockene Burg um das Zelt herum gebaut, dennoch verbringe ich den ganzen Tag im Zelt.

Am Dienstag ist das Wetter wieder strahlend und sehr warm. Nachdem ich Ariane in Kolumbien (-13 Std.) angerufen habe ist große Wäsche für Body und Clothes angesagt. Danach geht’s in die Stadt. Ein Besuch beim „Perückenmacher“, wie sich der Friseur hier nennt, und ein weiterer bei einem Physiotherapeuten tun Leib und Seele gut 😊 !

Auf dem Rückweg dann die mittlerweile bekannte Leier: im Sägezahnmodus erreiche ich das Camp, wo Olga schon mit einem Korb voller Grillgut wartet. Wir machen ein Lagerfeuer und hauen uns mit Lachs, Zucchini, Möhren und Bärlauchsalat (sehr köstlich) die Bäuche voll. So satt war ich schon lange nicht mehr!

Am heutigen Mittwoch verlasse ich schon früh das Camp, denn vor dem Werkstattbesuch fahre ich noch am Lagerplatz von Karin und Coen im Stadtzentrum vorbei. Coen will mir noch Wegpunkte mit allen Tankstellen in den Stans-Ländern auf meinem Garmin spielen. Dabei zeigt er mir auch eine interessante Webseite „horizonsunlimited.com“ Dort lese ich mehrere Artikel genau zu meinem Problem mit der F800GS und ausnahmslos alle sprechen von der Benzinpumpe als Ursache. Ich kann’s mir noch immer nicht erklären, doch so langsam glaube ich selbst schon daran. Unverständlich bleibt aber, warum diese Erkenntnisse, die BMW sicherlich nicht unbekannt sein können, dort nicht dokumentiert und den Händlern, bzw. den Werkstätten zur Verfügung gestellt werden.

Um 13 Uhr tauche ich, wie verabredet, bei Deniz auf, der mir stolz das Potentiometer präsentiert, das pünktlich angekommen ist. Umso verwirrter reagiert er, als ich ihm erkläre, zunächst doch die Benzinpumpe tauschen zu wollen. „Das habe ich doch von Anfang an gesagt!“ echauffiert er sich.

Dann sagt er, er wisse dieses Teil nicht auf die Schnelle zu besorgen. Findig, wie er ist, gelingt es ihm nach einer Weile doch, die Artikelnummer dieser Pumpe bei einem russischen Ersatzteilhandel für Toyota heraus zu finden. Er telefoniert recht lang herum, dann findet er einen Handel, der die Pumpe auf Lager hat. 20 Minuten später taucht er mit der Pumpe für 35.-€ (bei BMW 160.-€) auf. Sie gleicht der Originalfassung fast auf’s kleinste Detail, nur der Schlauchstutzen ist hier glatt anstatt profiliert. Das löst er einfach durch Kürzen des Schlauches bis dieser etwas kleiner im Durchmesser ist. Nach insgesamt knapp 2 Stunden ist die Pumpe getauscht und alles wieder zusammengesetzt.

Wir trinken einen Tee und essen Kekse auf den ersten Erfolg, dann kommt die bange Prüfung! Ich will den Tag nicht vor dem Abend loben, doch nach 60km Probefahrt bei bis zu 30 Grad ist das Problem nicht mehr aufgetreten. Das wäre in den vergangenen Tagen undenkbar gewesen. Es hat sich also mit Sicherheit etwas getan. Sicher sein kann ich mir erst morgen, wenn ich eine große Strecke zurücklege. Da ich für die Einreise in die Mongolei noch zu früh dran bin (ich kann nur 30 Tage bleiben und nach Ariane’s Abflug am 13. Juli brauche ich mindestens 4 Tage hinaus), werde ich nochmal nach Barguzin zurück fahren, um von dort das Barguzintal zu erforschen, das mir Karin und Coen, aber auch Laure und Fabien sehr ans Herz gelegt haben, das ich aber vor 2 Wochen verpasst habe.

Ja, es scheint, dass nach nun 15 Tagen die Reise endlich weiter gehen kann! Für den Moment bin ich sehr glücklich, doch noch etwas mit gedämpftem Siegesgebrüll!

5 Gedanken zu “12 Albtraum Moped – ein weiterer Versuch, oder gar das glückliche Ende?

  1. micha1200gs schreibt:

    Good news…

    Das sind doch mal hoffnungsvolle Neuigkeiten. Toyota / BMW, was für eine Kombination und dann noch die Kreuzung Auto und Motorrad. Soviel zur viel gepredigten Tauschbarkeit, die hier wirklich „länderübergreifend“ funktioniert. Super. Nun hoffen wir für Dich, dass es sich damit erstmal hat, mit ungeplanten Wartezeiten. Wenn man dem Spruch: „ Gut Ding will Weile haben!“ Glauben schenkt, sollte zumindest dieses Problem mit der Benzinpumpe der Vergangenheit dauerhaft zugeordnet werden können. Wir hier aus St. Hohen Neuendorf drücken Dir vom Herzen die Daumen.
    Für das kommende Wiedersehen mit Deiner Liebsten wünsche ich Dir ebenfalls eine schöne Zeit und spannende Erlebnisse beim gemeinsamen Erkunden der Mongolei.

    Alles Gute für Dich und eine gesunde Weiterfahrt,

    Micha & Familie

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  2. Beate Christel schreibt:

    Lieber Wolfram,
    was für Abenteuer !! Und wie schön, dass du so hilfsbereite und liebe Menschen getroffen hast, was für eine schöne Erfahrung! Ich bin wirklich begeistert, durch deine ausführlichen Berichte eine Ahnung von diesem riesigen Land zu bekommen und freue mich immer sehr über jeden neuen Bericht!
    Ich drücke dir die Daumen, dass jetzt alles gut geht mit deinem Motorrad und eurem Treffen nichts mehr im Wege steht.
    Alles Liebe, auch von Christian,
    Beate

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  3. Emil schreibt:

    Hallo Wolfram hier ist Emil
    Das ist ja wirklich sehr spannend deinen Blog zulesen ich gucke regelmäßig ob du was Neues geschrieben hast !!!
    Täuscht es oder bist du trotz gezwungener Pause dem Zeitplan voraus ?

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    • wolfram1964 schreibt:

      Hallo Emil! Ja, ich bin voraus, weil ich durch die Zwangspause fast 7.000km weniger fahre, indem ich nicht nach Wladiwostok fahre.
      Es freut mich, dass Dir der Blog gefällt! Grüße
      Wolfram

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  4. tatjanaphysiogmxde schreibt:

    Привет Вольфрам, das ist doch soooo wunderbar, dass dein Pferdchen wieder funktioniert !!!! Und vor allem – toll , dass du zu Physiotherapie warst ! Super . Ich wünsche dir und Ariane wunderschöne Tage zusammen! С приветом Таня

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