11 Ulan-Ude die Dritte oder das Moped wird zum Albtraum

Da fühle ich mich mit frisch installierter Benzinpumpensteuerung wie neu geboren und steuere auf Wladiwostok zu, und dann ereilt mich nach knapp 300km sorgenfreier Fahrt der ultimative Schock: Das kann doch nicht sein! Just bei Erreichen der Stadt, wo ich meinen Tankstop auf dem Wege nach Chita eingeplant habe, bleibt die Spritzufuhr wieder für ein paar Sekunden aus. Und von dort wiederholt sich das im Sägezahnmuster – wie gehabt. Ich habe also das falsche Teil getauscht und vergeblich 8 Tage in Ulan-Ude gewartet! Das ist die bittere Erkenntnis.

Die schwierige Entscheidung an diesem Ort ist die, ob ich weiter nach Chita oder zurück nach Ulan-Ude fahren soll – beides 300km entfernt? Ich suche im Internet nach BMW in Chita und finde auch dort nur inoffizielle Werkstätten. Damit fällt die Entscheidung auf Ulan-Ude, wo ich zum einen das schöne Camp und die Hilfe von Olga habe, und worüber ich eh in die nächste Stadt mit guter Infrastruktur – nämlich Irkutsk – fahren müsste.

Nachdem diese Entscheidung einmal gefallen ist, geht es mir gleich viel besser, denn damit ist der Pazifik aus der Reiseplanung raus und mir ein wenig der Druck genommen! Ich tanke erstmal und gönne mir ein Abendessen. Ich muss wohl so mitleiderregend aussehen, dass mir die Frau aus der Kantine zum Abschied noch drei kohlgefüllte Piroggen schenkt. Das Motorrad steht unterdessen eine Stunde im kühlen Schatten und fährt mich anschließend problemlos bei kühlen 15-16 Grad in den Sonnenuntergang. Dann finde ich abseits der Straße einen Wald mit großer, idyllischer Lichtung, wo ich mein Zelt aufbaue. Erstmals werde ich auf dieser Reise mit aggressiven Mördermücken erschreckenden Ausmaßes konfrontiert und freue mich, dass diese gut auf „No Bite“ reagieren. Gedanklich bedanke ich mich für die Piroggen, die jetzt sehr willkommen sind und lege mich schlafen. Das Wolfsgeheul in der Nacht lässt mich zwischenzeitlich an der Platzwahl zweifeln, doch am Ende verbringe ich hier eine erholsame Nacht.

Schon um kurz nach sieben sitze ich – die kühlen Morgenstunden nutzend – wieder im Sattel und fahre abermals problemlos auch die letzten 180km zurück zum Camp. Wie um mir zu zeigen, dass das Problem noch nicht gelöst ist – als ob es dazu einer Erinnerung bedürfe – meldet sich dasselbe genau 2km vor dem Camp wieder, aber es regt mich nicht mehr auf!

Im Camp sind mittlerweile Karin und Coen aus den Niederlanden mit ihrem 35 Jahre alten Toyota Landcruiser eingetroffen, die damit seit 15 Jahren um die Welt reisen. Ein interessantes Paar, die mir moralisch gut tun, denn mit ihrem Oldtimer haben Sie in all der Zeit schon ganz andere Probleme zu lösen gehabt. Gerade die letzten Tage wurden ganze Teile des Chassis neu zusammengeschweißt, nachdem dieses zusammengebrochen war.

Olga hat inzwischen herausgefunden, dass es in Irkutsk eine BMW Vertragswerkstatt gibt, die zwar nur mit Autos zu tun hat, die aber zufällig auch über ein Diagnosegerät für Mopeds verfügt. Vor dem Wochenende will ich da nicht mehr hin. Am Sonntag werde ich einen Teil der knapp 500km gen Irkutsk unter die Räder nehmen, am kühlen Montagmorgen dann den zweiten. Dann habe ich dort die ganze Woche für Fehlersuche und ggfs. Ersatzteillieferung. Andi Prinz hat mittlerweile eine weitere mögliche Ursache ins Spiel gebracht, nämlich das Drosselklappen-Potentiometer.

Ich bin jetzt erstmal ganz entspannt, denn jetzt muss ich „nur“ noch von hier nach Irkutsk und zurück und dann 600km nach Ulan-Bator, wo ich am 29.6. Ariane früh morgens um 6 Uhr vom Flughafen abholen möchte. Dahin werde ich mit heilem oder defekten Moped irgendwie schon kommen. Ist es noch defekt, dann brauche ich für die zwei Wochen dort ein Leihfahrzeug, und muss anschließend im schlimmsten Fall mit Moped auf der Transsib nach Hause. Ist es erfolgreich repariert, dann fehlt halt der Pazifik, aber ansonsten kann’s wie geplant weitergehen!

Jetzt werde ich noch ein paar Tage in angenehmer Gesellschaft von Karin und Coen im Camp verbringen und dabei sicherlich interessante Gespräche haben!

Blick vom Hügel über dem Camp: Hier gibt’s Internetempfang. Im Hintergrund Ulan-Ude!

3 Gedanken zu “11 Ulan-Ude die Dritte oder das Moped wird zum Albtraum

  1. tatjanaphysiogmxde schreibt:

    Hallo Wolfram , das ist ja ein Misst ( sorry) ! Das ist ja sehr schade , dass dein Momed so einen schwachen Geist hat ….Halte durch , sei nicht traurig ! Pazifik machst du am anderen mal ! Du hast ja jetzt Erfahrung. Ich hoffe doch ganz doll , und wünsche dir das , dass Moped repariert wird !!!! Viel Glück ! Liebe Grüße von Tanja . Держись !

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  2. felicitas61 schreibt:

    Lieber Wolfram,schön ist das Leider nicht.Aber bei so einer Abenteuerlichen Reise kommt man nicht drum herum manche Dinge mit gelassenheit zu betrachten.Und irgendwie gehört auch das dazu.
    Ich wünsche Dir,das Du bald eine Erklärung findest,warum Deine BMW so spinnt.
    Denk auch mal an den Benzin Filter oder Luftfilter.Da die Straßen oder Pisten ja doch sehr schmutzig sind.
    Viel Erfolg und wir drücken Dir die Daumen.
    Alles gute.
    Carmen

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  3. Axel T. schreibt:

    Hallo Wolfram, da wirst du ganz schön geplagt. Ich freie mich aber, dass du dem Ganzen noch schöne Momente abgewinnen kannst und wünsche dir viel Glück mit dem 2. Reparaturversuch in Irkutsk, damit die Reise bald weiter geht und du wieder den Fahrtwind geniessen kannst sowie weitere spannende Geschichten erlebst. Ich kämpfe auch grade mit der Technik, wenn auch im kleineren Massstab, und die muss nun zwei Ausstellungstage überstehen.

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