21 Capitol Reef, Bryce und Grand Canyon

Die Reise gewinnt angesichts der Dichte an Nationalparks eine atemberaubende Dynamik. Nach Arches und Canyonland verlassen wir am Sonntagmorgen unsere Cabin in Moab. Ariane nutzt die Gelegenheit, ein paar Tage bequem und ohne schwere Mopedkleidung zu reisen und leistet Brenda in ihrem Camper Gesellschaft. Auch Steve und ich profitieren, denn der Campingvan, eine Mercedes V-Klasse, nimmt mühelos unser Gepäck auf. Von Moab steuern wir auf dem Weg zu unserem Etappenziel in Tropic erst Capitol Reef, einen kleinen Nationalpark, an. Dieser wurde jüngst durch genau die Regenfälle, die wir vor 5 Tagen in Boulder abgewartet haben, überschwemmt. Somit sind jetzt alle Pisten im Park gesperrt. Wir können nur über den Hauptweg einmal hinein- und wieder herausfahren. Das ist durchaus ganz nett, denn auch der Hauptweg wird von beeindruckenden Abruchkanten der Tafelberge gesäumt.

Auf dem Wege nach Capitol Reef kündigen sich bereits tolle Felsformationen an
Der Hauptweg durch Capitol Reef ist von eindrucksvollen Abruchkanten gesäumt

Wir genießen – dem Campingvan sei’s gedankt – ein Piknik im Nationalpark und nehmen dann die Schlussetappe nach Tropic unter die Räder. Jetzt wird die Strecke wirklich spektakulär. Auf der Abruchkante in den Canyon, in dem auch Capitol Reef liegt, fahren wir hoch über die riesige, weite Canyonlandschaft und wechseln etwas später auf die Kante eines benachbarten Canyons. Bei diesem Wechsel verläuft die Straße eine Weile lang auf dem schmalen Grat zwischen beiden Canyons. Der Grat ist kaum breiter als die Straße selbst. Zu beiden Seiten schauen wir sofort in die Tiefe – nichts für Leute mit Höhenangst!

Auf dem Weg nach Tropic verläuft die Straße auf dem schmalen Grat zwischen zwei Canyons

In Tropic finden wir leicht das gebuchte Motel, das sich als sehr gastfreundlich erweist und zur Begrüßung Getränke bietet. Gleich nebenan gibt es einen Pub, der neben gutem Essen auch Live Musik im Angebot hat. Dort verbringen wir, angenehm ermattet durch den langen Tag, einen sehr schönen Abend zu viert.

Das Hotel verwöhnt uns am Morgen mit einem guten Frühstück, bevor wir unseren Ausflug in den Bryce Canyon starten. Unsere üppige Ausstattung mit Fahrzeugen erlaubt uns eine kleine Rundreise die wir zunächst mit Brenda’s Van beginnen, dann per pedes fortsetzen und schließlich mit den Motorrädern beenden. Der Van bringt uns an den Rand des Canyons, wo wir allesamt überrascht und geblendet sind von dem orangen Felspanorama, das sich plötzlich vor uns auftut. Wie eine Armee Zinnsoldaten bauen sich tausende von Felstürmen gold-orange illuminiert vor uns auf. Es ist ein wahrer Traum!

Bryce Canyon – ein Traum in orange!
Festungsgleich bauen sich die orangen Felstürme über dem Bryce Canyon auf
Die Luftwurzeln der Kiefer verdeutlichen das Tempo der Erosion

Von hier wandern wir durch die Felstürme in den Canyon hinab und weiter durch den Canyon zurück zum Hotel nach Tropic – ein gut 8 Meilentrip über viel Geröll und ausgewaschene Wasserläufe, der uns gegen 14 Uhr ziemlich geschafft, aber sehr zufrieden ankommen lässt. Das Hotel versorgt uns sehr freundlich mit kalten Getränken, ehe wir mit den Mopeds zurück zu Brenda’s Van fahren.

Abstieg in den Bryce Canyon – Felsen und Himmel schaffen einen Bilderbuch-Kontrast

Es ist schon nach drei am Nachmittag, als wir am Bryce Canyon aufbrechen und unser nächstes Ziel, den Grand Canyon, in Angriff nehmen. Wir haben ein Hotel in Jacobs Lake gebucht, wo wir zwei Nächte bleiben werden. In Jacobs Lake zweigt der Highway 67, eine Sackgasse, zum Grand Canyon ab. Bis Jacobs Lake sind es noch knapp drei Stunden Fahrt. Auf der Karte sieht alles so nahe beieinander aus, doch dieses Land ist einfach ausufernd! Nach etwas mehr als der halben Strecke legen wir noch einen Zwischenstop in Kanab ein. Dort sind gute Freunde von Brenda und Steve mit ihrem Camper aus Phoenix eingetroffen, um uns zu sehen. Jane und Fred begrüßen uns mit Pizza und Snacks und wollen im Detail alles über unsere Reise wissen. Es ist zwar nur ein kurzes Intermezzo, doch die Herzlichkeit, mit der sie uns empfangen, ist einfach rührend. Kurz vor Sonnenuntergang machen wir uns schließlich wieder auf den Weg, der uns in der Dämmerung mit beeindruckend gefärbten Himmel zur Rechten nach Jacobs Lake führt, wo wir im Dunkeln ankommen und unsere Zimmer beziehen. Noch ein Absacker zur viert auf dem Balkon unseres Zimmers und wir begeben uns in die Horizontale, denn morgen steht ein spannender Tag am Grand Canyon auf dem Programm.

Der Dienstag wird der letzte gemeinsame Tag mit Brenda sein, denn am Mittwoch wird sie die lange Heimreise (gut 3.000 km) nach Cincinnati antreten. Wir starten mit ihrem Van in den Tag, während die Mopeds heute Ruhepause haben. 45 Meilen geht der Highway 67 nach Süden, ehe er auf den Rand des Grand Canyon stößt. Dort erschlägt uns der gewaltige Anblick dieses unermesslich großen Canyons, dessen anderes Ufer so weit entfernt ist, dass die Felsen dort nur im Dunst zu erkennen sind. Die Farben sind einmal mehr so intensiv, dass es einem die Sprache nimmt.

Der Grand Canyon – Gigantomanie made by nature!
Das andere Ufer mit dem Tele ganz nah herangeholt – Kupferschichten wechseln mit Eisenschichten ab
Blick in einen Seitenarm des Grand Canyon
Ein einzelner Turm inmitten des Canyon
Zufriedene Freunde vor großer Kulisse
Schön, dass Du da bist und meine Freude teilst!
Der Abend senkt sich über die Gipfel des Canyon
Kitschiger Sonnenuntergang über dem Grand Canyon

Wir fahren viele Seitenarme des Canyons immer auf der Kante ab, machen dabei reichlich Kilometer, entfernen uns aber in der Luftlinie nur unwesentlich von den zuvor besuchten Stellen des Canyons. Es ist verblüffend, wie kleine Perspektivwechsel sogleich komplett neue Bilder erzeugen, zum Teil mit sehr verschiedenen Farbspielen.

Ohne Zweifel: Der Grand Canyon, aber auch die vielen Canyonlandschaften der vergangenen Tage gehören zu den großartigsten Naturerscheinungen, die ich jemals gesehen habe. Da wird mir einmal mehr die Bedeutungslosigkeit meines kleinen Lebens, und sogar das der Menschheit insgesamt, bewusst. Hier drehen sich die Dinge über Jahrmillionen, dagegen ist die ganze Menschheitsgeschichte nur ein Wimpernschlag! Wir beenden den Canyonbesuch, der sich tief in meine Erinnerung graben wird, mit einem wunderschönen Sonnenuntergang am North Rim. Dann geht’s im Dunkeln die 45 Meilen zurück zum Hotel, wo wir zum Abschied von Brenda noch eine Flasche Rotwein auf der Terasse unseres Zimmers öffnen. Dann heißt es Abschied nehmen. Brenda wird morgen früh schon vor fünf Uhr aufbrechen. Am Freitag will sie wieder zuhause sein – ein ganz schöner Ritt. Sechs Tage sitzt sie im Auto, um fünf Tage mit uns zu verbringen. Diese Tage waren sehr intensiv und super organisiert, wofür wir uns sehr bei Brenda und Steve bedanken!

Auch für Steve wird es ein langer Abschied von seiner Liebsten. Er wird sich morgen Richtung Las Vegas bewegen, wo er am Freitag seinen ältesten Sohn Philip besuchen wird. Ich treffe ihn dort am Sonntag Abend, nachdem ich Ariane in Las Vegas zum Flieger nach Berlin gebracht haben werde. Dann geht’s gemeinsam gen Mexiko!

Aber bis dahin bleiben mir noch vier Tage mit Ariane, die wir gemeinsam genießen wollen. Danach wird es über drei Monate dauern, bis wir uns im Januar in Patagonien wieder treffen. Zuvor stehen noch der Antilope Canyon und der Zion National Park auf unserem Programm.

3 Gedanken zu “21 Capitol Reef, Bryce und Grand Canyon

  1. ulirudolph schreibt:

    Hallo Ariane und Wolfram,
    es macht große Freude Eure tollen Bilder anzusehen und die Berichte zu lesen. Auch bei den Landschaften ist es in Amerika, wie bei vielen anderen Dingen (Autos, Gewicht der Menschen…) alles ein wenig größer :). Euch weiterhin viel Spaß.
    Beste Grüße
    Uli

    Gefällt mir

  2. micha1200gs schreibt:

    Hallo Ihr Lieben,
    Es is wunderbar zu lesen, mit wieviel Freude Ihr Eure gemeinsame Zeit in der Ferne verbringen könnt.
    Tolle Bilder, super Beschreibungen lassen einen schon etwas neidisch werden.
    Kitty ist auch gerade in Eurer Nähe und in den nächsten Tagen wohl Richtung México unterwegs.
    Vielleicht trefft Ihre Euch ja irgendwo. Die Welt soll ja doch nicht so groß sein….
    Hier mal Ihre Nummer:+1 (442)320-5147(2)
    Ich glaube die Klammern, die mein Handy anzeigt muss man weglassen 🤔

    In jedem Fall, Euch noch eine tolle Zeit, Liebe Grüße aus Hohen Neuendorf, Micha

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s