20 Naturwunder Arches und Canyonland

Soviel Land und soviel Schönheit und Gewalt der Natur für so wenig Menschen, da kann man vor Ehrfurcht schon mal ganz klein werden. Wir sind mittlerweile im Amerika der Canyons angekommen und kommen aus dem Stauenen nicht mehr raus. Aber wie kamen wir hierhin?

Nach der Regenpause verlassen wir am Donnerstag Boulder bei ungewisser Wetterlage in Richtung Interstate 70, die wir bei Idaho Springs pünktlich mit dem einsetzenden Regen erreichen. Doch das Glück bleibt uns gewogen, denn schon ein paar Minuten später verschwinden die Regentropfen vom Visier. Allein die Straße bleibt noch längere Zeit nass. Nur 20 Kilometer hinter Idaho Springs wird das Tal eng und die große Interstate windet sich in ungeahnte Höhen. Am Ende wird das Navi 3.325 Meter verkünden, doch zuvor liegt linker Hand Georgetown, eine alte Westernstadt, die bemerkenswert gut erhalten ist. Dort lassen wir uns an einer Straßenecke mit Tischen und Stühlen nieder, um die gestern auf dem Farmer’s Market in Boulder erstandenen Köstlichkeiten zu verspeisen. Brezeln mit Humus, Bruschetta und Salat – ein Genuss! Auf der Weiterfahrt entdecken wir eine uralte Dampflock, die ächzend und krächzend ein paar Waggons mit Touristen zu einer alten Silbermine hinauf zieht.

Georgetown, eine alte und gut erhaltene Westernstadt
Frühstück in Georgetown
Historischer Zug von Georgetown zur Silbermine

Wir haben von der heutigen Fahrt eigentlich nicht viel erwartet, denn die Landkarte bietet zu der großen Interstate keine Alternativen, die uns heute noch nach Grand Junction bringen würden. Und schon alleine der Name „Grand Junction“ lässt einen tristen Ort an einer großen Straßenkreuzung vermuten. Alles weit gefehlt! Die Interstate führt zunächst auf großer Höhe durch eine wunderschöne Gebirgslandschaft mit vielen Skigebieten, die gar nicht mal übel aussehen. Später läuft sie durch eine zunehmend wüstenartige Gegend gesäumt von toll erodierten Tafelbergen. Kurz vor Grand Junction verlassen wir die Interstate und fahren parallel auf einem kleinen Highway, der von Obstständen gesäumt ist. Kleine Obstbauern verkaufen hier quasi vor ihrer Haustür, was der Garten so hergibt. Wir erstehen köstliche Birnen und Pflaumen.

Tafelberge vor Grand Junction – Vorboten der Canyonlandschaft

In Grand Junction steigen wir in einem klassischen Motel ab, dessen Besitzerin uns wertvolle Tips für den Abend in der Stadt und auch für die morgige Weiterfahrt gibt. Wir fahren 2 Meilen nach Downtown und sind vollkommen überrascht, dort eine belebte und liebevoll gestaltete Innenstadt anzutreffen. Man hat hier sehr intensiv in Kunst investiert und die Main Street komplett mit Skulpturen gepflastert, die uns allesamt sehr gefallen. Die Auswahl an Restaurants ist ebenso toll und führt uns zu einem Italiener.

Grüße aus Grand Junction an Sussi: Stadt der Skulpturen – Frosch mit Ring am Zeh!
Loriot in Grand Junction? Herr Müller-Lüdenscheidt oder Dr. Klöbner?

Nach einem sehr schönen Abend in Downtown und einer kurzen Nacht im Hotel verlassen wir Grand Junction am Freitag schon um kurz nach halb acht. Die Dame aus dem Hotel hat uns dringlich geraten, dass wir auf dem Weg nach Moab keinesfalls den Bypass über das „Colorado National Monument“ verpassen dürften. Das ist eine gut 40 Kilometer lange Straße auf dem Grat eines riesigen Canyon-Systems oberhalb des Colorado Rivers. Die Zeit dafür ist knapp, denn wir haben schon bei Moab einen Zeitslot für die Einfahrt in den Arches National Park zwischen 11 und 12 Uhr gebucht. Bis dahin sind es knapp 200 Kilometer – eigentlich gut schaffbar. Aber was sich uns auf dieser Strecke bietet, lässt einen die Kamera einfach nicht mehr aus der Hand legen. So etwas von atemberaubender Schönheit haben wir nur selten erlebt. Was hier Wind und Wasser in Millionen Jahren an Erosionsformen geschaffen haben und was in der frühen Morgensonne in den wärmsten Farben erleuchtet, ist betörend für die Sinne! Hinter jeder Kurve tut sich ein weiterer Höhepunkt auf, die „Ohs“ und „Ahs“ fahren in der Helmsprechanlage nur so in die Mikrophone. Wir schaffen kaum mal einen ganzen Kilometer ohne Photostop.

Einstieg in das Colorado National Monument
„The independent“ mit dem Tal des Colorado River im Hintergrund

Nach zwei Stunden sind die 40 Kilometer geschafft, und es geht auf der Interstate 70 ein Stück nach Westen, bevor wir dann eine weitere verheißungsvolle Straße, den Highway 128 nach Moab nehmen. Dieser führt entlang des Colorado River durch einen malerischen Canyon, und wieder muss man hinter jeder Kurve anhalten, wahrnehmen, was dem Auge gerade geboten wird und versuchen, das ganze zu verarbeiten und am Ende auch noch zu dokumentieren. Die Dimensionen der Tafelberge sind gewaltig. Man beginnt zu verstehen, warum bei den Amis alles etwas größer ausfällt als bei uns in Europa. Der Highway 128 wird mir so schnell nicht mehr aus dem Sinn gehen!

Der Highway 128 führt durch den Canyon des Colorado River
Tafelberge in rot-braun, so intensiv wie gemalt
Weiterhin der Highway 128. Auf den Tafelbergen sind selbst die „Burgen“ Produkte der Natur.
Kurz vor Moab verändert sich die Farbe der Tafelberge – Oben wacht ein Indianer über das Tal
Am Ende des Highway 128 bei Moab – Vom Wind gestaltete Höhle

Wir erreichen kurz vor Ende unseres Zeitslots den Eingang zum Arches National Park. Der Name ist hier Programm. Arches (Bögen) sind in diesem Park häufig anzutreffende Erosionsformen im Sandstein. Ich will mich nicht wiederholen und die Erlebnisse in diesem Nationalpark nochmal mit den bereits zuvor verschlissenen Superlativen beschreiben. Also lasse ich die Bilder wirken, die ich entlang der ca. 70 Kilometer langen Fahrt und der diversen kleinen Wanderungen im Arches NP aufgenommen habe. Sie sprechen, so denke ich, für sich.

Am Eingang zum Arches NP
Die „Park Avenue“ im Arches NP
Es bieten sich ständig andere Besucher zum Photographieren an!
Ich nenne sie die heiligen drei Könige
Ein erster Arch
Und ein zweiter Arch, genannt „The Window“
Nicht ohne Leute vor die Linse zu bekommen – ein besonders hoher Bogen
„The Delicate“ ein Bogen auf dem Grat
Eine Elefantenherde – Felsformation auf dem Rückweg aus Arches
Deutlich zu erkennen: Grenzen zwischen Luft- und Wassererosion. Eine wahre Festung!

Am späten Nachmittag hat uns der Arches Trip geschafft. Bei 30 Grad strengen die vielen kleinen Wanderungen in Mopedklamotten ganz schön an. Außerdem gab es heute noch nichts zu essen. Also kehren wir in Moab noch kurz ein, bevor wir Brenda und Steve in unserer gemeinsamen Unterkunft treffen. Die Wiedersehensfreude nach einem Jahr ist sehr groß. Auch für die beiden überraschend, ist Guy, ein Freund aus Steve’s Kindheit, mit dem Motorrad vorbeigekommen und verbringt mit uns gemeinsam den Abend und wird am nächsten Morgen weiterfahren. Ihm fehlen mit Nevada, Arizona und Oregon noch drei Bundesstaaten, bis er die 48 Staaten des Mainland USA (excl. Alaska und Hawai) bereist hat, und das will er jetzt kompletieren. Es ist ein schöner Abend mit Besuch eines Italieners und vielen netten Erinnerungen. Für Steve und mich ist’s der Auftakt zur gemeinsamen Reise durch Zentral- und Südamerika.

Am Samstagmorgen machen wir uns ohne Motorräder in Brendas Campingvan auf zum Canyonland National Park. Von verschiedenen Seiten bekommen wir ein riesiges Canyongebiet zu sehen, durch das sich der uns schon seit Tagen immer wieder begleitende Colorado River hindurchschlängelt. Alles wird vor dem Hintergrund dieser Canyonlandschaft winzig klein. Ohne Zweifel: Hier hat ein Riese mit LEGO gespielt!

Wir schweben über dem Canyonland
Aus der Hochebene eingegraben – das Canyonland. Mittendrin der Colorado River.
Pottaschegewinnung: Salze, die tief im Grund aus dem Meer vor Millionen Jahren abgelagert wurden, werden an die Oberfläche gespült und über Verdunstung auskristalisiert und als Düngemittel verwendet
Schleife des Colorado River im Canyonland
Beängstigende Abgründe im Canyonland
Auch im Canyonland gibt es Arches
Deutsch-Amerikanische Freundschaft (Brenda in weiß, Steve in rot)
„Wildlife“ im Canyonland

Es ist schwer, die Dichte von tollen Erlebnissen im Blog zu beschreiben, wenn die Verarbeitung in Geist und Seele kaum Schritt halten kann. Das hier war ein Veruch, der dem Erlebten höchstens in die Nähe kommen kann. Vollständig vermitteln kann ich das ganze hingegen nicht!

Das Thema „Canyons“ wird auch den weiteren Verlauf der Reise durch Amerika bestimmen. Es kommen noch die Nationalparks Capitol Reef, Bryce und dann der Grand Canyon selbst. Wir sind heute abend in Tropic angekommen, wo wir einen schönen Abend mit leckerem Essen und Life Musik erlebt haben. Das Reisen unter einheimischer Führung mit Brenda und Steve bereitet uns viel Freude!

Ein Gedanke zu “20 Naturwunder Arches und Canyonland

  1. Rosa Maria Schwarzendahl schreibt:

    Hallo Wolfram,
    Habe von Nicki von Deinen Reiseberichten gehört, die ich fast alle gelesen habe,
    Bin gerade in Dortmund bei meinem Freund.
    Last von Euch hören, wir sind bald wieder in Dalhausen,
    Viele Grüße
    Rosa Maria Schmarzendahl und Gerhard Schmalhorst

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