42 Wieder daheim!

Nun bin ich schon seit 4 Tagen wieder zuhause in Berlin – beseelt von der Reise und dem Erlebten und glücklich, die Reise gut beendet zu haben und die Menschen wieder zu sehen, die mir lieb und teuer sind!

Der Rückweg aus Kroatien hatte dann noch die eine oder andere Überraschung im Köcher, von der ich nicht gleich schreiben wollte, um nicht andere Überraschungen zu zerstören. Die erste Überraschung trifft mich noch am Sonntag in Bela. Das Wetter ist scheußlich. Nachdem ich am Morgen noch eine große Wanderung entlang der stürmischen Küste unternommen habe, sitze ich im Bett und schreibe mein Tagebuch, während es draußen stürmt und pisst. Die Dämmerung ist bereits weit fortgeschritten, als jemand an meine Terrassentür klopft und sich die Nase an der Scheibe platt drückt. Ich denke: „Der sieht doch aus wie Guido!“ Aber es kann ja nicht Guido sein! Und so brauche ich noch einige Sekunden, um das was ich sehe mit dem in Übereinklang zu bringen, was ich verstehe. Und dann besteht kein Zweifel mehr. Das Herz hüpft vor Freude. Ich kann’s kaum fassen, doch der gute, alte Freund hat sich tatsächlich auf den weiten Weg gemacht, mich abzuholen und auf dem Rest der Reise zu begleiten – Wow!

Wir feiern das – zumindest auf meiner Seite – unerwartete Wiedersehen mit einer Pizza und Bier im Restaurant in der Nähe. Dabei erfahre ich, wie Guido in Konspiration mit Ariane diese Überraschung geplant und durchgeführt hat. Die besten Wetterbedingungen hat er sich dafür nicht gerade ausgesucht, doch unerschrocken wie er ist, hat ihn das nicht abgehalten, im Regen die 1500 Kilometer nach Brela zurückzulegen.

Am nächsten Morgen machen wir uns gemeinsam der dalmatinischen Küste entlang auf den Rückweg. Zunächst ist es sogar trocken – wenngleich stark bewölkt und stürmisch! Nördlich von Split ereilt uns dann doch der Regen, aber nur für 2 Stunden. Die Nord-Ost-Küste der Adria bis kurz vor Rijeka erleben wir bei phantastischem, wilden Herbstwetter, sprich Sonne und Wolken mit Sturmböen. Beim Umfahren der vielen Buchten entlang der Küste werden wir vom Wind mal von vorne, dann von der Seite und schließlich aus dem Rücken gepeitscht. Das Fahren wird zur echten Herausforderung, doch dieses Naturspektakel mit gischtspritzenden Wellen, die an einigen Stellen sogar die Uferstraße überspülen, ist eine besondere Erfahrung!

Wir finden mit Mühe noch in der Dämmerung eine Übernachtung vor Rijeka, kurz bevor sich die Wolken mit Blitz, Donner und reichlich Regen entladen. Schön, hier ein Dach über dem Kopf zu haben und auch noch bekocht zu werden! Der Morgen weckt uns völlig unerwartet mit Sonne und beschert uns eine traumhafte Fahrt durch die slowenischen Berge mit ihren orange verfärbten Wäldern. Das weckt beim „alten“ Freund schon mal den Übermut:

Kurz vor der österreichischen Grenze holt uns der Regen wieder ein. Es wird ungemütlich kalt auf dem schönen Loiblpass, den ich noch nie zuvor gefahren bin. Das Glück ist uns aber treu, der Regen hält nur bis kurz hinter Villach. Den Rest des Tages bleibt es trocken, aber mit 3 Grad ziemlich kalt. An der Grenze bei Passau betrete ich zum ersten Mal seit 6 Monaten wieder deutschen Boden. So lange war ich noch nie unterwegs! Am Zoll lasse ich mir im Carnet de Passages noch die ordnungsgemäße Wiedereinfuhr des Mopeds bestätigen, damit mir der ADAC auch die hinterlegte Bürgschaft für den Iran zurück gibt. Wir bleiben über Nacht bei Dorothee (Ariane’s Cousine) und Steffen in München und verbringen mit ihnen einen sehr schönen Abend. Dann trennen sich Guido und ich hinter München für 2 Tage, bis wir uns am Freitag wieder bei Roland (aus unserer Altherren-Moped-Gruppe) in Rösrath treffen werden, um seinen Geburtstag zu feiern. Das ist die übernächste große Überraschung. Er ahnt natürlich nichts davon, dass ich dabei sein werde. Was könnte ein besseres Szenario für ein Treffen mit meinen Mopedfreunden sein als die Rückkehr direkt von der großen Reise mit dem verdreckten Motorrad? Guido wird noch kurz in den Harz zu den Schwiegereltern fahren, wo Sandra auf ihn wartet. Und ich mache mich auf den Weg zur nächsten Überraschung No. 2. Mein Patenkind Ben feiert am Freitag seinen 15. Geburtstag und weiß noch nicht, dass ich dabei sein werde. Die Fahrt nach Wuppertal lasse ich gemütlich angehen und gönne mir bei schönstem Herbstwetter eine Fahrt durch den Spessart, dem größten zusammenhängenden Laubwald Deutschlands. Dort übernachte ich noch in einer netten Pension kurz vor Aschaffenburg. In Wuppertal drehe ich am nächsten Tag eine kurze Stippvisiten-Runde bei Christiane und meiner Schwester Doris vorbei, ehe ich bei Heike, Paul, Ben und Jenne aufschlage, wo ich mit großem Willkommen-Schild empfangen werde. Es ist schön, hier wieder „fast zuhause“ zu sein!

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Am Freitag fahre ich noch kurz nach Neuss, wo ich eine Wohnung besichtigen lasse und anschließend gleich problemlos vermiete. Die Wohnung wurde gekündigt, als ich in Kirgistan war. Ariane hat sie am Samstag inseriert und ich habe die Interessenten für heute zur Besichtigung geladen, um mir einen zusätzlichen Weg von Berlin nach Neuss zu ersparen. Nachdem dies so gut geklappt hat, fahre ich wieder nach Wuppertal, um Ben’s Geburtstag zu feiern! Und am Abend fahre ich für Überraschung No. 3 nach Rösrath, wo die gesamte Altherren-Gruppe – mit Ausnahme von Dirk – versammelt sitzt. Die Überraschung ist geglückt, der Abend lang und lustig! Nach einer kurzen Nacht und einem fürstlichen Frühstück stehen nun die letzten 600 Kilometer meiner Reise an. Diese sind entlang der A1 und A2 nicht gerade sehr spannend, doch ich sitze sie quasi auf einer Pobacke ab und eile – für meine Verhältnisse ungewohnt schnell – mit 140 km/h gen Berlin, wo ich um halb sechs zuhause ankomme. Ein schönes Heimkehren! Ariane, die ich ja vor knapp 3 Wochen in Teheran zuletzt gesehen habe, hat das Haus schön gemacht, und noch ehe ich dazu komme, das Gepäck vom Moped zu nehmen, klingelt es auch schon an der Tür. Nizar ist der erste, gefolgt von weiteren lieben Freunden, die mir eine Heimkehr-Party bereiten. Wie schön – Überraschung No. 4!!!

40832 Kilometer durch 21 Länder liegen hinter mir! Es war eine lange Reise. Nicht immer leicht. Nicht immer nur schön.  Aber immer spannend, extrem lehrreich und alles in allem die Erfüllung meiner Träume und Wünsche, die an diese Reise geknüpft waren! Vor allem habe ich tolle Menschen überall auf dieser Reise getroffen. Sowohl ungezählte Bewohner der besuchten Länder als auch viele Reisende haben mich in der Tiefe meiner Seele gepackt. Menschen, die etwas zu erzählen haben, die bedingungslos helfen und aufnehmen, die einfach an anderen Menschen, Lebensweisen und Kulturen interessiert sind: Sie sind die wahre Bereicherung durch diese Reise für mich!

Selbst den Menschen, den ich am besten zu kennen glaube, habe ich noch besser kennengelernt. Ich habe Ariane mit dieser Reise in der Planung und auch in der Durchführung eine Menge zugemutet! Das ist mir bewusst. Sie hat es mit getragen und am Ende zumindest etappenweise auch miterlebt und genossen. Dafür bin ich sehr dankbar!

2 Gedanken zu “42 Wieder daheim!

  1. tatjanaphysiogmxde schreibt:

    ….. «скажи мне кто твой друг , и я скажу кто ты «…du hast eine tolle Frau und sehr sehr gute , echte Freunde! Das charakterisiert ja auch dich . Deswegen hattest du ja auch sooo schöne Überraschungen auf dem Weg nach Hause. Und auch so einen tollen Empfang zuhause! Die Bilder sind klasse ! Liebe Grüße von Tatjana.

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  2. Anja Ender schreibt:

    Lieber Wolfram,

    auch von mir ein herzlich Willkommen Zuhause in Berlin. Ich habe deinen Blog mit großer Begeisterung verschlungen, immer schon gespannt auf den nächsten Beitrag gewartet, fand alles sehr interessant, manches davon habe ich abgeschwächt/abgewandelt auch erlebt.

    So ist es doch hier in Berlin-Spandau im öffentlichen Schwimmbad Alltag badende Frauen und Mädchen im Burkini zu sehen. Und auch ich habe mich gefragt, wie man z. B. Anfang September im Freibad im nassen Anzug das aushält. Mir war schon im Bikini kalt.

    Überspülte Küstenstraßen und Promenaden sind ein gewaltiges Schauspiel der Natur und haben mich auch immr beeindruckt. Wie die Naturgewalten überhaupt. Mit dem Rad unterwegs spüre ich auch manches ein kleines bischen – natürlich ist das nichts gegen eine Tour wie deine mit dem Motoarrad, lässt aber ein wenig erahnen wovon du schreibst.

    Ich bin so froh für dich und Ariane, dass du gesund, glücklich und zufrieden wieder Zuhause bist. Hoffentlich ist dein Knie gut (besser noch vollständig) verheilt. Nach der langen Reisezeit wünsche ich dir gutes Einleben und Nachklingen deiner Reise Zuhause.

    Liebe Grüße, auch an Ariane
    Anja Ender

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