40 Schwarzmeerküste und Marmara-Meer in der Türkei

Von Rückreise-Modus keine Spur! Liegt es am ganz brauchbaren Wetter oder an der schönen Küstenlandschaft? Warum stellt sich auch jetzt am Bosporus noch kein Rückreisegefühl ein? Hier stellt sich die Frage, ob ich die Diretissima über Sofia, Belgrad, Budapest, Bratislava und Prag nehme (wären 2.300 öde Kilometer) oder über Thessaloniki an die Adriaküste und diese über Albanien, Montenegro und Kroatien hoch und dann über Slowenien und die Österreichischen Alpen zurück fahre. Ich entscheide mich für den längeren und schöneren Weg!

Heute übernachte ich am Marmara-Meer kurz vor Istanbul. Morgen sind’s dann noch ca. 300 Kilometer bis zum Griechen, dann liegen vier Tage Türkei hinter mir, die landschaftlich und fahrtechnisch viel schöner waren als ich es erwartet hatte.

Am Sonntagmorgen verlasse ich das hässliche und von Russen überlaufene Batumi, um nur 15 Minuten später die Grenze zur Türkei zu erreichen.

Interessante Skulptur nebst Wasserfall auf Georgischer Seite der Grenze

Blick auf die Grenzstation mit futuristischem Zollgebäude

Hier finde ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder eine Abfertigung an jeweils einem einzigen Fenster pro Länderseite, ohne vom Moped zu steigen. Man interessiert sich beiderseits für die Versicherung des Mopeds, aber nicht für mein Gepäck – Sehr angenehm!

Die folgenden fast 600 Kilometer verlaufen zwar auf einer neuen vierspurigen Schnellstraße, doch entfernt sich diese dabei niemals von der Küste. So ist die Fahrt trotz Schnellstraße schön kurzweilig mit den vielen kleinen Fischerhäfen, die in dichter Folge zur Rechten vorbei huschen. Das Wetter ist sonnig bei angenehmen 20 Grad.

Ein kleiner Fischerhafen….

… reiht sich an den nächsten!

Nach 400 Kilometer kommen dann doch dunkle Wolken auf. Zeit für mich, nach einer Bleibe Ausschau zu halten. Gerade als der einsetzende Regen ein klammes Gefühl in der Jacke aufkommen lässt, liegt linker Hand – quasi am Meer – ein *** Ferienhotel. Eigentlich zu schick für meinen Aufzug. Egal, ich frage trotzdem nach einem Zimmer. Ich scheine der einzige Gast zu sein und bekomme für weniger als 20€ ein tolles Zimmer zur Meerseite. Ein schickes Frühstück ist auch noch inbegriffen!

Der Montag beginnt zunächst auf der gleichen Schnellstraße, doch irgendwann biegt die Hauptstrecke gen Ankara und Istanbul ins Landesinnere ab und ich bleibe an der Küste. Diese wird ab Sinop richtig wild und steil. Das Vorankommen gleicht hier der korsischen Westküste – wem das was sagt – sprich auf steilen, sehr kurvigen Straßen mit schlechtem Belag schafft man durchschnittlich 40 km/h.

Schöne Steilküste am Schwarzen Meer

In jedem Taleinschnit ein Dorf am Meer

Gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreiche ich Çide – einen Ort in dem mir Steve das Yali Hotel so sehr empfohlen hat. Als ich dort eintreffe, erweist sich dieses bedauerlicherweise als geschlossen. Ich versuch’s beim nächsten. Auch geschlossen! Jetzt wird’s aber eng. Der nächste Ort liegt über 50 Kilometer entfernt, es wird dunkel und die Felsenküste bietet keinen geeigneten Ort für’s Zelt. Außerdem soll’s in der Nacht regnen!

Sonnenuntergang bei Çide

In meiner Sprachlosigkeit gelingt es mir dann doch, einer Passantin zu entlocken, dass es noch ein weiteres Hotel gebe, und sie hält gleich noch ein vorbeifahrendes Auto an, auf dass mir dessen Chauffeuse den Weg dorthin vorfahre, was diese auch bereitwillig tut. Das Hotel entpuppt sich zwar als schäbiger, heruntergekommener Kasten, doch bin ich froh, ein Bett gefunden zu haben. Und so schlecht ist es nicht einmal!

Am heutigen Dienstag verlasse ich Çide in vollkommenen Nebel. Doch schon nachdem der nächste Berg überwunden ist, zeigt sich die Sonne und taucht die Dörfer am Meerufer in schönstes Herbstlicht. Es ist Freude pur, hier alleine auf der kurvig-bergigen Straße hoch über dem Meer unterwegs zu sein. Außer mir sehe ich nur noch die Fischer auf ihren Booten vor der Küste auf und ab kreuzen.

Erhabener Blick auf die Küste

Bei Bartin verlasse ich (ungern) die Küste, die mich bis hierhin rund 1.000 Kilometer begleitet und gut unterhalten hat. Es folgen gut 100 Kilometer durchs Gebirge – noch ganz abwechslungsreich – und dann 200 Kilometer auf der Schnellstraße gen Istanbul. Der Fun-Faktor geht zurück auf Null. Zudem stellt sich ein komisches Wetter ein: Hochnebelartige, dunkle Bewölkung aus der vor Istanbul sogar einige Regentropfen fallen. Bei Gebze – 25 km vor Istanbul – gibt es eine nette Halbinsel im Marmara-Meer. Man glaubt es nicht, wenn man nur 4 km davor von der Schnellstraße abbiegt und erstmal durch ein unfassbar verrottetes und stinkendes Industriegebiet kommt. Hier haben sich auch deutsche Firmen, wie Henkel und BASF, niedergelassen. Doch gleich danach führt der Weg ins Grüne und zur Halbinsel. Gleich am Anfang gefällt mir zur Rechten ein nettes Hotel, das sich vier Sterne ans Revers heftet. Wie überall, ist auch hier nichts mehr los, und man überlässt mir wieder zu einem Spottpreis ein sehr schönes Zimmer mit Balkon zum Meer. Dort sitze ich nun und schreibe diese Zeilen, während ein paar Tropfen nieder gehen und sich die Lichter Istanbuls auf dem glatten Meerwasser spiegeln – so romantisch!

Nachtblick vom Hotelbalkon auf‘s Marmara-Meer

Ich hoffe, dass morgen das Wetter trocken bleibt. Der Verkehr im Umkreis von Istanbul war heute bei trockener Fahrbahn schon pulsbeschleunigend. Bei Regen mag ich mir das gar nicht vorstellen!

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