24 Yssykköl – der See in Gestalt eines Meeres

Bei Memo verbringen wir zwei Nächte. Den Tag dazwischen begebe ich mich alleine auf eine Rundtour über eine Halbinsel im Yssykköl. Steve gönnt sich einen Tag Fahrpause. Man findet übrigens für den See – wie grundsätzlich für alle Namen – mehrere Schreibweisen. Gebräuchlich ist auch Issy Kul. Das beginnt schon beim Landesnamen. Heißt es Kirgistan, Kyrgyztan oder Kirgisien? Es kommt wohl nicht drauf an!

Auf der Tour über die Halbinsel präsentiert sich mir eine modernere Landwirtschaft als am Vortag. Statt Sensen sind hier große Mähdrescher im Einsatz, die riesigen Kornfelder zu ernten. Ich passiere sowohl einige verlassene als auch bewohnte Dörfer, und zwischendurch sehe ich überall hoch zu Ross die Nomaden mit ihren Herden – zumeist Schafe und Kühe.

Berge im Norden vom Yssykköl

Badestrand mit Südblick vom Yssykköl

Verlassenes Dorf

Piste auf der Halbinsel

Ein belebtes Dorf auf der Halbinsel

Die Kirgisischen Nomaden sind Reiter

Orthodoxe Kathedrale in Karakol

Abschied von Memo

Am Mittwoch verabschieden wir uns von Memo und nehmen das Südufer des Yssykköl unter die Räder. Es braucht eine Weile, bis wir den See zu sehen bekommen, doch dann präsentiert er sich in voller Schönheit mit stark erodierten Ufern aus rotem Sandstein. Der Tourismus ist am Südufer noch nicht sehr ausgeprägt – das konzentriert sich wohl mehr im Norden – und so haben wir viel freie Sicht auf unberührte Uferlandschaften, die hier und da von Einheimischen zum Baden genutzt werden. Zur Linken erheben sich direkt die 5.000-er mit ihren Schneekappen. Es ist eine bizarre Schönheit, an der noch nicht allzu viel von Menschenhand zerstört wurde. Das was hier allerdings gebaut wurde, bleibt sich selbst überlassen und gammelt dahin, darunter einige russische Investruinen.

Am frühen Nachmittag kommen wir nach Tong und suchen auf Memo’s Empfehlung das Jurtencamp Bel-Tam auf, dass einmalig schön am Wasser gelegen ist. Wir dürfen 5m vom Wasser entfernt unsere Zelte aufbauen – einen schöneren Platz gab’s bislang noch nicht!

Lagerplatz am See bei Tong

Nachbarn aus Frankfurt im Sonnenuntergang

Der Platz ist so schön, und der ganze Rahmen mit super leckeren Abendessen und Live-Konzert so nett, dass wir beschließen, hier länger zu bleiben. Auch treffen wir viele nette Europäer, die hier meist nur für 2-4 Wochen als Backpacker unterwegs sind.

Abendliches Konzert in der Gemeinschaftsjurte

Folkloregesang als Solodarbietung

Blick vom Lagerplatz gen Osten

Sonnenuntergang am Lagerplatz

Am Donnerstag unternehmen wir einen Tagesausflug in das Barskoon-Tal, das weit in die Bergwelt südlich des Sees reicht. Man kann sogar über den Barskoon- und den Suck-Pass bis nach China fahren, wobei es dort keinen Grenzübergang gibt. Wir begrenzen uns auf den Suck-Pass, der immerhin 60km weit in den Bergen und auf stolzen 4.000m Höhe liegt.

Die Fahrt dorthin ist atemberaubend schön. Auf gut ausgebauter Piste – diese führt nämlich auch zu einer großen Goldmine – Schrauben wir uns zunächst in ein Hochtal auf 2.700m Höhe. Dort beherrscht der Barskoon das Tal und drum herum siedeln Nomaden in ihren Jurten und züchten Pferde – eine Idylle pur!

Aus den steilen Hängen links und rechts stürzen zahlreiche Wasserfälle in den Barskoon herab. Wie schön muss das erst im Winter aussehen?

Die Piste wird übrigens beständig mit Tankwagen bewässert, um die enorme Staubentwicklung durch die Lastwagen, die sich karawanenartig zur Mine bewegen, einzudämmen. Dazu gibt es überall Füllstationen, über die die Tankwagen aus dem Barskoon befüllt werden – ganz simpel!

Am Ende des Hochtals passieren wir eine Straßensperre. Hier kontrolliert die Mine zum ersten Mal, wer sich ihr nähert. Das geschieht aber noch ganz lax. Erst kurz vor der Mine – wo wir gar nicht mehr hin fahren – kommt die entscheidende Kontrolle, die nur den durchlässt, der dazu authorisiert ist. Nach der Sperre schraubt sich die Piste in endlosen Serpentinen in eine wahre Mondlandschaft hinauf.

Danach folgt ein weiteres Hochtal mit einem See, der aus den rings herum züngelnden Gletschern gespeist wird. Hier oben auf 3.750m findet kaum noch Leben statt. Aber das Panorama ist atemberaubend!

Am Ende des Plateaus zweigt die große Piste zur Mine ab und es folgen noch einige Kilometer über einen rumpeligen Track zum Pass. Das Höhenmeter meines Garmin zeigt 4.002m – so hoch war ich mit dem Moped noch nie. Erstaunlicherweise spüren weder Mensch noch Maschine etwas von der Höhe. Nur die Temperatur (10 Grad) und der strenge Wind lassen einen spüren, wie hoch es hier ist. Außer uns ist kein Mensch hier. Ein Steinbock weist die Passhöhe aus, ansonsten nichts, niente, nada, nothing! Es ist dennoch eine beeindruckende Kulisse, die schon einen guten Vorgeschmack auf das geben dürfte, was uns auf dem Pamir-Highway erwarten wird.

Auf dem Rückweg essen wir bei einer Nomadenfamilie in der Jurte zu Mittag. Es gibt lecker zubereiteten Fisch aus dem Barskoon – ein Gedicht!

Als wir das Tal am Seeufer wieder verlassen lädt ein schöner Sandstrand zum Baden ein. Am Abend gibt es ein fürstliches Essen im Jurt-Camp, gefolgt von einer gewittrigen Nacht im gemütlichen Zelt.

Auch am Freitag sind die Wetteraussichten nicht zum Besten bestellt. Daher bleiben wir an unserem schönen Lagerplatz und unternehmen eine weitere Tagestour zu einem Salzsee. Es ist unter den Einheimischen ein beliebter Ausflugsort mit „Hotel“ und vielen Fressbuden, doch unter landschaftlichen Gesichtspunkten kein Highlight!

Am Nachmittag ziehen Regenwolken auf – passend zu meinem fiebrigen Unwohlsein. So gönne ich meinem Körper etwas Ruhe, was er über Nacht mit vollständiger Rekonvaleszenz belohnt. Daher brechen wir am Samstagmorgen Richtung Balykchy am Westufer des Sees auf. Dunkle Gewitterwolken hängen in den südlichen und westlichen Bergen und lassen nichts Gutes ahnen, doch wir erreichen im Sturm mit den ersten Regentropfen die relativ große Stadt und quartieren uns direkt im Hotel ein, das uns am Kreisverkehr am Ortseingang begegnet. Es ist nagelneu und auf Zweiradfahrer – in erster Linie wohl auf Fahrräder – eingerichtet. Noch während wir unser Gepäck von den Mopeds nehmen geht ein heftiger Gewitterregen runter, und wir freuen uns einmal mehr über das geglückte Timing! Nach dem Regen gehen wir auf den großen Bazar, der richtig orientalisch anmutet.

Steve braucht einen Reparatur-Shop für sein Handy, denn es lässt sich nicht mehr laden – in heutigen Zeiten das „Größte Anzunehmende Unglück“ (GAU), das einem auf der Reise geschehen kann!!! Nach mehreren Anläufen finden wir endlich eine „Werkstatt“, die sich in der Lage sieht, das Problem zu lösen. Dafür muss aber ein Ersatzteil aus der Hauptstadt Bishkek geholt werden. Für 100 US$ können wir morgen Nachmittag das Phone wieder abholen. Ob das klappt? Vertrauen erweckt dabei nur, dass keine Vorkasse verlangt wird.

Auf unserem Abendspaziergang durch die Stadt können wir einen tollen Sonnenuntergang am Gewitterhimmel verfolgen und sehen später von außen einer Hochzeitsfeier zu. Es wird ausgelassen und lautstark gesungen und getanzt. Die Karaoke darf natürlich – wie überall in Asien – nicht fehlen.

Die Wartezeit auf das Handy werden wir morgen mit einem Tagesausflug in das Chong Kemin Tal überbrücken. Damit endet dann mit einer weiteren Übernachtung in diesem Hotel unsere Zeit am Yssykköl, und danach geht es zum Song Köl, einem sehr großen Hochgebirgssee in über 3.000m Höhe.

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