19 Reflexion auf 5 Wochen Mongolei

5 Wochen und über 7.000km Mongolei liegen nun hinter mir, und ich muss zugeben, dass ich kein klares Gefühl gegenüber diesem Land gewinnen kann. Ich wusste schon vorher, dass es ein Abenteuer werden würde, dass es ein riesiges, armes Land fast ohne Infrastruktur sei. Doch dies dann live zu erleben war eine ganz andere Nummer!

Den Aufenthalt kann ich in drei, bzw. vier Phasen einteilen:

  1. Die Tour in die Gobi
  2. Die Tour mit Ariane in den NW
  3. Die drei Aufenthalte im Oasis
  4. Die Tour raus aus der Mongolei

Nur in der ersten Phase war ich allein, ansonsten immer in Begleitung.

Das Land und die Orte

Die Landschaften sind ohne jeden Zweifel das größte an diesem Land. Ob in der Gobi, dem Norden oder im Westen, es ist die unermessliche Weite, die so beeindruckt. Beständig wechseln zumeist hoch gelegene Täler mit Bergketten ab, die es regelmäßig zu überwinden gilt. Und jedesmal folgt danach die Überraschung, wie es im nächsten Tal aussieht.

Erstaunlich ist die enorme Viehhaltung. Selbst auf diesen riesigen Flächen geschieht es nur selten, dass mal gerade keine Herde zu sehen ist. Dasselbe gilt natürlich auch für die Gers der Nomaden, die omnipräsent sind. Bei gerade mal 3,2 Mio Einwohnern gibt es 65 Mio Stück Weidevieh. Einer UN-Studie zufolge soll das Land nur ein Drittel davon ertragen. Dementsprechend sind die Flüsse allesamt mit Kot und Urin verseucht. Trinkwasser sucht man hier vergebens. Dennoch ist die Landschaft ausnahmslos schön anzusehen!

Bei den Ortschaften sieht das ganz anders aus. Angefangen mit der Hauptstadt Ulan-Bator, die mit 1,6 Mio die Hälfte der Landesbevölkerung aufnimmt, sind die Orte in der Mongolei selten lebenswert. Ich habe noch nirgendwo auf der Welt ein solches Verkehrschaos erlebt wie in Ulan-Bator. Da hilft es auch nicht, dass 70% aller dort fahrenden Autos Toyota Prius mit Hybridantrieb sind. Architektonisch ist die Stadt ebenso eine Katastrophe. Bis 1990 hat Russland den Aufbau der Stadt finanziert, doch dann blieb das Geld durch den Zusammenbruch der UDSSR aus, und seitdem prägen unzählige sozialistische Bauruinen das Stadtbild. Es ist eine Stadt, die man nicht gesehen haben muss! Und dennoch war das Nadaam-Fest in Ulan-Bator eine tolle Erfahrung für Ariane und mich.

Die Verkehrsinfrastruktur

in der Mongolei gibt es drei Hauptrouten, die sich von Ulan-Bator in den Westen ziehen. Diese sind zu einem großen Teil asphaltiert, bzw. befinden sich noch im Bau. Dann gibt es noch eine Asphaltstraße vom Norden aus Ulan-Ude kommend in den Süden zur Gobi. Alles andere sind Pisten.

Die Pisten sind allesamt nicht angelegt, sondern entstehen schlichtweg durch die Reifen, die sich ihre Spur graben. Dadurch werden sie so unkalkulierbar bei Regen. Bei schönem Wetter gibt es kaum Strecken, die für Geländefahrzeuge eine allzu große Herausforderung darstellen. Es ist erstaunlich, was für Wege die Mongolen sogar ihren Toyota Prius zumuten – da geht viel mehr als man denkt! Aber bei Regen kann selbst eine gute Piste zum Albtraum werden, und dann ist man ja meistens auch allein auf weiter Flur unterwegs! Die Regenfälle der letzten Wochen sollen allerdings einmalig gewesen sein. Kein lebender Mongole – so sagt man – könne sich daran erinnern, solche Wassermengen je zuvor erlebt zu haben.

Die Menschen

Vorneweg: Ich habe keinerlei böse oder schlechte Erfahrungen mit Menschen in der Mongolei gemacht. In aller Regel nehmen die Mongolen Notiz von einem Reisenden und lächeln, heben den Daumen oder geben einem sonstwie zu verstehen, dass man willkommen ist und sie gut finden, dass man von so weit hergereist kommt. Auch haben Sie im Gegensatz zu Russen wenig Berührungsängste. Da wird sich gerne auch mal ungefragt auf das Moped gesetzt, um ein Photo in Pose zu machen – am liebsten noch mit meinem Helm auf dem Kopf!

Bei den Nomaden zeigt sich ein zwiespältiges Bild. Wann immer ich bei einem Gewitter in einem Nomaden-Ger Unterschlupf gesucht habe, wurde dieser mir bereitwillig gewährt. Und dies ward immer begleitet von allerlei kulinarischen Darbietungen. Das geschieht mit einer solchen Selbstverständlichkeit und so nebenbei, dass die Großartigkeit dieser Geste gar nicht genug Würdigung erfahren kann.

Dann gibt es aber auch das Problem der Sprachlosigkeit, was immer dann in den Vordergrund gerät, wenn man Informationen braucht. „Wo geht es nach…?“ oder „Wie ist der Weg nach…?“ Das sind Fragen, die einen schnell an die Grenzen der Freundlichkeit bringen. Da wird sich aus Hilflosigkeit auch mal abgewandt, und du stehst irritiert dort, rufst deinem „Gesprächspartner“ hinterher, wirst aber keines Blickes mehr gewürdigt.

Die Spanne der Erfahrungen ist also breit, doch im Schnitt sind die Menschen liebenswert, nur die Kommunikation ist sehr schwierig. Enttäuschend ist die Tatsache , dass mir das Russische hier überhaupt nicht helfen konnte.

Das Oasis

Das Oasis-Camp in Ulan-Bator ist mir während der drei Besuche zu einem lieb gewonnenen Ort geworden. Dabei ist es weniger der Ort selber mit seiner akzeptablen doch keineswegs berauschenden Infrastruktur, der mir so gefallen hat, als die kribbelnde Atmosphäre unter dem ständigen Kommen und Gehen von weitgereisten Globetrottern, die zumeist interessante Menschen sind mit ebensolchen Geschichten im Gepäck. So habe ich auch Steve kennengelernt, mit dem ich jetzt schon 10 Tage gemeinsam Reise und das sehr schätze.

Fazit

Die Mongolei hat mich vieles gelehrt und mich mich selbst besser kennen lernen lassen. Eine Erfahrung, die ich auf gar keinen Fall missen möchte! Aber es bleibt sicherlich eine „Once in a lifetime experience“ die keine Wiederholung finden wird!

Noch ein paar Impressionen zum Schluss:

2 Gedanken zu “19 Reflexion auf 5 Wochen Mongolei

  1. ckusserow schreibt:

    Hallo Wolfram,
    schon das mit Steve Dich wieder eine Africa Twin begleitet, wie hier in den Kommentaren schon sehr oft geschrieben wurde, hast Du ein großartiges Talent Deine Erlebnisse in Worte und Sätze zu verfassen. Vielen Dank, dass Du mit Deinen Berichten und Bildern uns so nah an Deine Reise teilnehmen lasst.
    Dadurch dass Du Deine Orte sehr genau beschreibst, kann ich parallel, wenn ich Deinem Bericht lese, zeitgleich über „Google Earth“ mir die Orte und Landschaften und auch die Wege ein wenig nachvollziehen, was die einzelnen Entfernungen mit dem Strecken für Anstrengungen bedeuten.
    Vielleicht hast Du auch mal Zeit uns zu erklären, warum Du ein neues Ritzel benötigst? Dein kompletter Antriebsstrang ist komplett neu gewesen und bei Deinem „Sägezahnmodus“ hatten wir alle Dir die Dauen gedrückt, dass Deine treue BMW Dich nicht in Stich lässt.
    Wir wünschen Dir weiterhin viel Spaß und viele neue und spannende Erlebnisse auf Deiner Reise über viele neuer Länder und Landschaften zurück.
    Heike und Christian

    P.S. Der Regen, der in der Mongolei zu viel war fehlt hier in Europa, seitdem wir durch Polen Ende April mit den Mopeds richtig Russland gefahren sind hatten wir auch schon über 30oC hatten, das Wetter hat sich seitdem hier nicht viel verändert. Und seitdem ich Anfang Mai in Schweden unterwegs war, hat es dort nicht mehr geregne

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  2. Axel T. schreibt:

    Hallo Wolfram, genau die Widersprüche sind das tolle an solchen Reisen. Ich selbst sitze in Prag bei einem türkischen Kaffee, ehe es gleich heim nach Deutschland geht, und lasse ein wenig die Eindrücke der letzten 3 Wochen durch Ukraine, Transnistrien, Moldavien und Rumänien passieren, die je nach Land unterschiedlich, aber fast immer positiv oder zumindest skuril waren. Jedenfalls macht dein Blog und auch diese Erfahrung Lust, den Osten weiter zu erkunden, tolle Menschen trifft man da allerorten. Lieber Gruss, Axel

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